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Alltägliches

Sonntag, 22. November 2009

Angezählt

Wir schreiben den 22. November, und somit bleibt uns noch genau ein Monat in Shanghai. In einem Monat sollten wir um diese Zeit langsam nach Europa einschweben, vermutlich sind wir dann gerade irgendwo über Russland. Verrückt!

Vor diesem Hintergrund kam hier in den letzten Tagen schon häufiger mal die Frage auf, was wir vor Ort noch sehen wollen, wo wir nochmal essen möchten, was wir bislang verpasst haben. Vor allem aber hat uns beschäftigt, was wir noch alles besorgen müssen. Die Schneider auf dem Stoffmarkt hat es gefreut, obwohl einige von ihnen in den nächsten vier Wochen vielleicht noch Überstunden machen werden müssen. ;-)

Ansonsten freuen wir uns auf Deutschland! Nachdem wir vor einigen Wochen erfahren hatten, wann es wieder zurück geht, waren wir zunächst etwas geknickt. Inzwischen überwiegt aber die Freude auf zu Hause, auf Familie und Freunde, auf Weihnachten. (Und die Spannung, ob die Resozialisierung gelingen wird...)

Dienstag, 17. November 2009

Bitterkalt.

Es ist total kalt geworden in Shanghai. So kalt, dass unser Fahrer schon die alten Geschichten erzählt, dass sie früher nicht einmal eine Heizung im Auto hatten. Bitterkalt also.

Seit dem Wochenende produziert unsere Klimaanlage warme Luft. Sie erledigt das mit einem monotonen Brummen. Da freut man sich auf die Stille, die so ein einfacher Heizkörper in deutschen Wohnungen auszustrahlen vermag. Ohne dabei viel Wind zu machen.

Aber wir dürfen uns nicht beschweren. In den Nachbarprovinzen ist es noch kälter, in Nanjing schneit's, in Peking bauen sie Schneemänner und in Harbin, wo wir Anfang des Jahres waren, sind es gerade -23 Grad, die sich wie -31 Grad anfühlen sollen! Offenbar ist der Herbst in diesem Jahr ausgefallen.

Montag, 16. November 2009

Obama in Shanghai

Welch hoher Besuch seit heute Nacht in unserer bescheidenen Stadt: Kein geringerer als Barack Obama ist gerade in Shanghai unterwegs, spricht vor Studenten und weist Medienberichten zufolge auch auf die hier noch nicht ganz so verinnerlichte Sache mit den Menschenrechten hin. Gut so, auch wenn der Absatz in den chineischen Nachrichten gerne etwas umformuliert oder gar vergessen wird.

Dass die Chinesen wirklich noch ein paar Sachen ordnen sollten, bewies ein im Fernsehen gezeigtes T-Shirt: Auf der Rückseite wurden die Namen "Obama" und "Mao" zu "Obamao" kombiniert, auf der Vorderseite war der dunkelhäutige US-Präsident mit Mao-Mütze und rotem Stern abgebildet.

In der Nähe des Shanghai Science and Technology Museum, wo der morgendliche Empfang statt fand, ist ein großer Fake-Markt, wo es das T-Shirt sicherlich auch geben dürfte. Na dann: "Wanna watch, Mr. President?"

Dienstag, 10. November 2009

Wieder das Enzym!

Auf großen Durst chinesischer Geschäftsleute und Regierungsvertreter weist ein Artikel bei n-tv.de hin: Ein Offizieller sei nach einem geschäftlichen Gelage an den Folgen des Alkoholkonsums gestorben. Offenbar war der gesellige Sekretär nicht der erste, den dieses Schicksal ereilte, denn in den letzten Monaten wurden bereits vergleichbare Fälle berichtet.

Dass Chinesen mangels Enzym Alkohol schlechter vertragen als Westler derselben Gewichtsklasse, ist ja wissenschaftlich erwiesen. Trotzdem trinken Sie nicht weniger. Bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder "geschäftlichen" Veranstaltungen spielt der übermäßige Konsum von Alkoholischem eine wichtige Rolle. Wir waren selbst schon Zeugen unschöner Szenen, die sich nach Feierlichkeiten mit Einheimischen abgespielt haben. Wenn man Glück hat, schlafen sie aber vorher ein.

Weiß man um die chinesische Vorliebe für feuchtfröhliche Meetings außer Haus wird das chinesische "Wirtschafts-Wachstum" plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes erklärbar. Überall schießen neue Wirtschaften aus dem Boden!

Sonntag, 8. November 2009

Achtung, Preisfrage!

Preisfrage für unsere geschätzten Leser: Was zeigt das folgende Foto?

A) Szene auf dem Shanghaier Stoffmarkt
B) Frauengruppe der Taliban

CIMG7735

Unter allen Einsendern mit richtiger Antwort verlosen wir fantastische Sachpreise für Selbstabholer. Unsere Restekiste wächst von Tag zu Tag! Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Donnerstag, 5. November 2009

In gute Hände abzugeben

So gut wir das auf Chinesisch können, haben wir nun unserem treuen Wagenlenker mitgeteilt, dass wir hier Ende Dezember die Zelte abbrechen werden. Keine leichte Übung, denn er ist uns in den letzten zwei Jahren sehr ans Herz gewachsen. So einen Chauffeur kann man sich eigentlich nur wünschen.

Umgekehrt hat er uns offenbar auch ins Herz geschlossen, jedenfalls ist er von unserem Abschied nicht begeistert. Und wie am ersten Tag freut er sich jeden Morgen wie eine Frühlingsrolle, wenn er uns abholt. Wir sind aber auch fantastische Fahrgäste! ;-)

Jetzt müssen wir schauen, dass es für ihn hier irgendwie weiter geht. In jedem Fall wollen wir ihm ein schönes Empfehlungsschreiben mit auf den Weg geben, damit er bei zukünftigen Vorstellungsgesprächen einen Vorteil hat. (Wir hatten ihn damals eigentlich nur genommen, weil er von den zwei verfügbaren Kandidaten in unserem kleinen "Casting" der weniger unsympathische war und uns von der Personalfrau gut zugeredet wurde.)

Nach Deutschland mitnehmen können wir ihn ja leider nicht. Theoretisch gelten zwar überwiegend dieselben Regeln, aber die praktische Straßenverkehrsordnung sieht dann doch etwas anders aus. Zebrastreifen sind eben mehr als langweilige Gemälde auf dem Asphalt! Fürchte, da hätten wir nach einer Woche mehr Punkte in Flensburg als Kilometer im Fahrtenbuch.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

"Killer Littering"

Lässt man den hektischen Straßenverkehr außen vor, gehört Shanghai vielleicht zu den sichersten Metropolen der Welt. Doch jetzt warnt das Management unserer Wohnanlage vor gefährlichem "Killer Littering"! Diese Wortschöpfung - mutig kombiniert aus "killer" (laut Leo "Mörder", "Schlächter" oder "Totschläger") und dem Verb "to litter" ("wegwerfen") - provozierte natürlich sofort unser Interesse.

IMG_7722

Anders als man vielleicht zunächst meinen könnte, besteht das Pänomen nicht darin, dass jemand gefährliche Straftäter gedankenlos in Shanghais Grünanlagen entsorgt. Es geht eher darum, dass einige Zeitgenossen offenbar mordsmäßig Spaß daran haben, Gegenstände von den oberen Rängen unserer Wohnhäuser zu werfen. Wobei die Vermutung nahe liegt, dass einige Flugobjekte auch unbeabsichtigt abstürzen, weil sie schlecht gesichert sind und vom Wind - den es da oben nun mal geben soll - bewegt werden. Außerdem kann einem beim atemberaubenden Blick aus dem 50 plus x-ten Stock natürlich schon mal die Flöte aus dem Mund fallen! (Wer dann noch eilig hinterherschaut, verliert möglicherweise zusätzlich noch Brille und/oder Haarprothese...)

Bislang kam es wohl nur zu kleineren Schäden an Fahrzeugen ("die da ohnehin nicht parken dürften", merkt der Deutsche beiläufig an) und am Vordach des Gebäudes. Schwere Fernsehröhren oder Geschirrspülmaschinen sind bislang wohl auch noch nicht vom Himmel gefallen. (Die Reichen und Schönen in den oberen Etagen haben aber vermutlich ohnehin eher flache Plasma-Bildschirme und Hausmädchen.) Hoffen wir also, dass der Appell der Hausverwaltung fruchtet. Damit die bösen Buben im Haus ihren Müll von nun an ordnungsgemäß entsorgen. "No Killer Littering!"

Montag, 26. Oktober 2009

Der Weg zum Laufen

Diese Stadt bringt regelmäßig seltsame Szenen hervor: Weil ich mein Laufprogramm nach überstandenem Sommer teilweise ins Freie verlege, wollte ich heute Morgen um Shanghais Century Park laufen. Eine Runde hat fast genau fünf Kilometer, ideal also, wenn man eine bestimmte Strecke bezwingen möchte. Da der Park aber nicht vor der Tür beginnt, musste ich mich hinfahren lassen - was mir die interessante Erfahrung bescherte, vor unserem Haus zwischen all den in Anzug und Kostümchen wartenden Büroathleten in luftiger Sportkleidung in die schwarze Limousine zu hechten. Es sieht vermutlich komisch aus, wenn dem offensichtlich nach Höchstleistungen strebenden Laufwunder von einem älteren Herrn die Wagentür geöffnet wird, aber man muss sich seine Energie ja richtig einteilen!

Ansonsten ist Laufen um den Century Park super. Man teilt sich eine Art Fahrradweg mit allerhand spannenden Gefährten, Fahrräder waren sogar auch dabei. Manchmal versperren Baustellen den Weg, wobei sich das Baustellen-Design von einer auf die andere Runde ändern kann. Da sieht man mal, wie schnell sich diese Stadt entwickelt! ;-) Vielleicht haben die Jungs in den blauen Anzügen aber auch einfach nur alle paar Minuten neue Ideen für die Anordnung von Utensilien und Beschilderung. Oder sie schließen Wetten ab, in welche Zementpfütze die blöde Langnase als nächstes Tritt. Alles möglich.

Nur einmal kamen meine Beine heute Morgen fast zum Stillstand: Ein junger Mann hatte leichte Probleme, die etwas kräftigere Frau auf der Ladefläche seines Dreirads bergan fortzubewegen. Da war kein Vorbeikommen. Denn abgesehen von den begrenzenden Zäunen links und rechts spuckte die Gute hin und wieder seitwärts aus. Als sich die Möglichkeit endlich ergab, führte mich ein weiter Bogen zügig an dem Gespann vorbei.

Darüber hinaus können einem motorisierte Verkehrsteilnehmer hier und da das Leben schwer machen. Es sind schließlich nicht nur Bataillone von Elektro-Rollern ("Silent Killer") unterwegs, flotte Zweitakter bringen zusätzlich Action auf die engen Wege und etwas mehr Würze in die ohnehin nicht gerade frühlingsfrische Atmosphäre unseres beschaulichen Beinahe-Luftkurorts "Bad Shanghai". Wer bei einem dieser Vertreter den Windschatten sucht, kann seine Lunge anschließend erstmal in die Reinigung bringen.

Gut, wenn man sich zumindest auf dem Weg zum Park noch geschont hat!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Pfoten und Recht

Während sich der Schutz von Markenrechten im chinesischen Alltag an vielen Stellen als schwierig erweist, scheinen sich Rechteinhaber in Deutschland ihrer Privilegien hin und wieder sehr sicher zu sein. Bastelfreunde, Haustierbesitzer und potenzielle Käufer von Outdoor-Produkten sollten sich diesen Artikel genauer anschauen. (Über die erfrischende Welle gesunden Menschenverstands, die das Vorgehen im Internet ausgelöst hat, berichtet unter anderem Werbeblogger.)

Soweit ich das gesehen habe, hatte bislang keiner der Abgemahnten den Mut oder das Geld, die Vorwürfe durch ein Gericht prüfen zu lassen. Dass DIE Original-Pfote geschützt sein muss, steht für mich außer Frage. Alle anderen Pfoten sollten aber doch bitte der Allgemeinheit zur Verfügung stehen! Sonst darf man bald nicht mal mehr mit seinem Hund im Schnee spazieren gehen.

Es gibt übrigens im Outdoor-Bereich auch gute Alternativprodukte von Herstellern ohne Pfote.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Zweiter Frühling

Der Herbst ist die schönste Jahreszeit in Shanghai. Angenehme Temperaturen, die erst gegen Abend unter die 20 Grad-Marke fallen, und geringe Luftfeuchtigkeit bescheren einen zweiten Frühling. Gut, dass der unbarmherzige Sommer mit drückender Schwüle und surrenden Klimageräten vorbei ist!

So ist auch die Stimmung in der Stadt sehr entspannt: Unter Mittag sitzen In- und Ausländer in Parks und in den Außenbereichen der Restaurants und genießen die zahmen Sonnenstrahlen. Nachts kann man gut schlafen, weil man sich nicht zwischen Tropenwetter (ohne Klimaanlage) und Biskaya (mit Klimaanlage) entscheiden muss.

Wenn unser fahrender Wetterfrosch recht behält, bleibt's auch in den nächsten Tagen so! :-)

Uhrzeit

Wetter

Aktuelles Wetter in Shanghai:


Temperatur: 15 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 39 %
Sichtweite: 10.0 km
Luftdruck: 1022.0 mb
Windstärke: 11 km/h

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Zuletzt aktualisiert: 22. Nov, 22:07

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